Krugman im Blutrausch

Frisch gekürter Nobelpreisträger Paul Krugman hat Blut gerochen und attakiert nun alle Ökonomen, die eine von der Regierung Obama abweichende Meinung vertritt. Die Meinung von Obamas Regierung ist freillich maßgeblich von Krugman selbst geprägt. In manchen Punkten mag Krugman mit seiner Kritik recht haben, oft ist er aber unlogisch oder zuminestens inkosequent, immer aber verletzend und persönlich.

Sein letzter Beitrag kritisiert Brad DeLong, weil dieser einen anderen Kollegen nicht stark genug kritisiert. Abweichende Meinung müssen wohl stärker bekämpft werden. Auch weil andere Lösungen als Krugmans „Gebt so viel Geld aus wie möglich, so schnell wie möglich“ weiter Zustimmung gewinnen? Krugman schreibt:

Brad DeLong links to Megan McArdle saying something wrong about the effects of a temporary increase in government spending. But he fails to note that it’s not just wrong, it’s 180 degrees wrong: a temporary increase in government spending should have a larger impact on demand than a permanent increase, not a smaller impact.

Krugmans Kritik an DeLong: Du hast Megan McArdle nur gesagt, dass er sich irrt und nicht, dass er komplett irrt und das genaue Gegenteil richtig ist. Offenen Dialog mit dem Ziel die beste Lösung zu finden sieht anders aus. Hier will jemand jede abweichende Meinung niedermachen.

Here’s the logic (which follows directly from Milton Friedman’s permanent income hypothesis, by the way): suppose that the government introduces a new program that will cause it to spend $100 billion a year every year from now on. To pay for this, it will have to raise taxes by $100 billion a year, permanently — and if consumers take this into account, they might well cut their spending enough to offset the increase in government purchases.

But suppose the government introduces a one-time, $100 billion program to repair bridges over the next year. The government will have to issue debt to pay for this, and will have to service that debt, requiring higher taxes — say, $5 billion a year. That’s a much smaller impact on consumers’ future after-tax income than the permanent program. So much less of the spending rise will be offset by a fall in consumer demand. (I’m not considering the effect of the spending in raising income, which would probably cause consumer demand to rise rather than fall.)

So economic theory — Milton Friedman’s theory! — says that spending is a more effective form of stimulus than tax cuts.

Krugmans Logik geht also so: Wenn der Staat 100 Milliarden neue Steuern pro Jahr erhebt, dann wird der Steuerzahler entsprechend sparen. Wenn der Staat 5 Milliarden neue Steuern pro Jahr erhebt, so wird der Steuerzahler weniger sparen. So weit so logisch.

Lustig ist jedoch, dass er sich hierbei auf Friedman beruft. Der hätte ihm sicher entgegen gehalten, dass der Steuerzahler bei 0 Milliarden neuen Steuern noch weniger gespart hätte.

In der Tat hat Krugman kein Argument für seine Position geliefert. Er meint implizit nur, dass der Steuerzahler zukünftige Steuern nicht in seiner Budgetplanung berücksichtigt, sondern nur die aktuellen. Da kann ich ihm versichern: Ich achte auch auf die Staatsverschuldung, wenn ich ausrechne wie viel ich für die Rente sparen muss.

Update:
Auch Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson ist gegen Krugmans Ausgabenextase:

Dieser Mischmasch aus Steuersenkungen und Investitionen wird keinerlei ökonomischen Effekt haben. Das ist Gießkannenpolitik. Das Geld wird hauptsächlich nach den Interessen der Kongressmitglieder verteilt. Von ihnen zu verlangen, 820 Milliarden Dollar verantwortungsvoll einzusetzen, das ist, als ob man von Alkoholikern verlangte, verantwortungsvoll eine Bar zu leiten. Das Widererstarken solch keynesianischer Ansätze, für die ich auch Ökonomen wie den Nobelpreisträger Paul Krugman verantwortlich mache, wird uns viel Zeit kosten. Und Unmengen Geld.

Volle Zustimmung von meiner Seite.

Update:

Auch Eugene Fama, selber Dauergeheimtipp für den Nobelpreis, war Opfer von wüsten Attacken durch Krugman. (hier und hier). Jetzt wehrt sich Fama wieder.

5 Antworten zu Krugman im Blutrausch

  1. Friedrich sagt:

    Krugman hat keinen tragbaren Plan und das einzige was Ihm einfällt ist was die Politiker hören wollen. Mehr Macht für sie und das ganze mit keinerlei Risiko für jeden einzelnen Abgeordneten. Die Ganze Art der Diskussion hat nicht nur noch dogmatische Züge.

    Das merkwürdige ist man soll denen mehr Geld geben die alles durchgebracht haben. Was für ein Risiko tragen denn die „Eliten“. Keinen, Paulson hat abgesahnt und nun möchte er seinen „Leuten“ wieder Geld zuschanzen für nichts. Aufsicht gibt es so gut wie keine und Willkür ist alles was bleibt. Nur mal eine diskrete Frage wiesoe bekommt GM Geld aus dem TARP?

  2. […] ich finde interessantes, Interview mit Paul Krugman auf C-SPAN. Paul und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr werden, aber nicht alles was er sagt ist völlig […]

  3. […] Im Gegensatz zu Krugman bin ich mir übrigens nicht sicher, dass ich recht habe. Er aber macht jeden Kritiker polemisch nieder. Dabei hinterlässt er nicht den Eindruck von Unsicherheit über seine […]

  4. […] und in aller Öffentlichkeit die Krise mittels Billionen an Steuergeldern wegzudefinieren. Jede abweichende Meinung machst Du dabei nieder. Dein neuer Status als Nobelpreisträger garantiert die alle Aufmerksamkeit die Du brauchst. Nun […]

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