Kauf amerikanisch

Das schlimmste, was die Politiker in der aktuellen Weltwirtschaftskrise tun konnten ist eingetreten: Ein großer Schritt Richtung Handelskrieg ist getan. Leider wird uns in dieser Krise auch gar nichts erspart bleiben.

Aus SPON:

Noch sind die Milliarden nicht freigegeben, und schon gibt es Streit um ihre Verteilung. Die USA stehen vor der gewaltigen Aufgabe, den Fluss der mehr als 800 Milliarden Dollar aus dem geplanten staatlichen Konjunkturprogramm zu kanalisieren. Die ersten Dämme werden bereits errichtet: Möglichst wenig von dem Geld soll ins Ausland gespült werden. „Buy American“, heißt die Klausel, die der Kongress in dem Gesetz festschreiben möchte: Kauft amerikanische Waren! Jetzt fürchten Amerikas Handelspartner protektionistische Hürden – und um Aufträge.

Schlimmer gehts nimmer. Anfang August warnten wir bereits, dass wir uns über Obamas Einstellung zum Freihandel nicht sicher sein können. Nun ist er also passiert; der große Sündenfall. Das ist eine Einladung an alle anderen Staaten auch Handelsbeschränkungen zu erheben.

Der in dieser Woche im US-Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetzestext schreibt ausdrücklich fest, dass bei den geplanten Infrastrukturprojekten nur Stahl und Eisen aus US-Produktion eingesetzt werden soll. Ausnahmen sind nur bei Lieferengpässen zulässig oder wenn der ausschließliche Einsatz von US-Produkten die Kosten um mehr als 25 Prozent in die Höhe treiben würde.

Das sind effektiv Schutzzölle in Höhe von 25%. Klar: Davon sind natürlich erst einmal nur die staatlichen Ausgaben betroffen. Aber es ist einfach das falsche Zeichen an die Welt.

Der Entwurf des US-Senats, der kommende Woche zur Abstimmung gestellt werden soll, geht noch weiter: Alle Materialien und Ausrüstungsgegenstände, die bei staatlich finanzierten Konjunkturprojekten zum Einsatz kommen, müssen demnach aus US-Produktion stammen. Bis Februar soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sein, dann wird klar sein, inwieweit ausländische Unternehmen von dem Investitionsboom profitieren können.

Das nicht nur die Materialien, sondern auch Ausrüstungsgegenstände boykottiert werden, ist krass. Ausrüstungsgegenstände ist ja quasi alles. Dürfen also keine Daimler-LKWs mehr Material heranschaffen? Da diese Staatsausgaben einen Großteil der Investitionen in diesen und dem nächsten Jahr ausmachen dürften, ist das eine hochgradig protektionistische Maßnahme. Bezahlen dafür werden übrigens vor allem die armen Amerikaner mit einer noch höheren Inflationsrate als durch die Geldmengenausweitung sowieso schon zu erwarten war.

So sympatisch mir Obamas Einstellungen in anderen Bereichen auch sind: Seine Wirtschaftspolitik ist mehr als gefährlich und kann in der Welt sehr großen Schaden anrichten.

Es ist nicht nur eine Krise, die in vielen Punkten der Großen Depression ähnlich ist; auch die Fehler der Politiker gleichen sich doch bis im kleinsten Detail. Erschütternd. Wenn wir nicht einmal die Gefahren des Protektionismus aus der Geschichte gelernt haben; was macht uns sicher, dass auch die anderen Fehler der 30er nicht wiederholt werden?

8 Antworten zu Kauf amerikanisch

  1. meatspace sagt:

    Die Globalisierung zieht ja bekanntlich mit sich, dass alles dort gekauft wird wo es am billigsten zu haben ist. Resultat: es werden Regenwälder abgeholzt um billige Gartenstühle im Supermarkt anzubieten, es werden Länder wie China zur Fabrik der Welt umgebaut, und im Westen gibt es nur noch Finanzjongleure.

    Man könnte ja auch denken: Wird der Handel zwischen den Länder und Kontinenten auf das beschränkt was nicht anders geht, dann haben wir eigentlich ein krisensicheres UND Nachhaltiges Modell.

    Die „Fehler der 30er“ waren die Militarisierung und der Krieg. Nicht unbedingt der Protektionismus.

    Der globalisierte Kapitalismus hat ausgedient. Er hat sich zu Tode gewirtschaftet UND den Planet UND die zwei nächsten Generationen (mindestens) ausgeplündert. Es wäre ein Fehler, in diesem gescheiterten Modell die beste Lösung zu sehen.

  2. sehrzynisch sagt:

    Gut erkannt: Die Globalisierung sorgt für effiziente Arbeitsteilung. Waren werden dort produziert, wo es am effizientesten ist. Die Globalisierung ist aber leide etwas asymmetrisch verlaufen. Die reichen Nordstaaten schützen ihre Märkte durch Zölle und Subventionen, insbesondere bei Nahrungsmitteln, die armen Südstaaten sollen vornehmlich abnehmen. Das ist ungerecht, und deshalb müssen Zölle, Handelsbarrieren und Subventionen weg.
    Ihr Vorschlag „Handel auf das beschränken, was nicht anders geht?“ hat mehrere Nachteile: Erstens ist es willkürlich, das festzulegen, was nicht anders geht, zweitens verringert es den Wohlstand aller, wenn Dinge nicht mehr dort produziert werden, wo es am effizientesten ist; ergo wenn Deutschland Handys produzieren muss, werden Handys teurer, damit können sich alle weniger leisten.
    Sie haben recht: die 30er Jahre waren geprägt von Militarismus und Krieg. Da war das Kind aber auch schon in den Brunnen gefallen. Es waren die 20er Jahre mit ihrer Weltwirtschaftskrise, die erst die Radikalisierung befeuerten.
    Marktwirtschaft ist und bleibt das beste System. Sie setzt aber Dinge voraus um zu funktionieren. Dazu gehören: verbindliche (einfache) Regeln, um die Natur und Ressourcen zu schützen, eine starke Währung und solide Staatsfinanzen, die das Vertrauen in den Staat sichern und eine starke Kartellbehörde, die Monopole verhindert. Das, was wir zur Zeit erleben, ist Staatskapitalismus, nicht Marktwirtschaft.

  3. meatspace sagt:

    „Marktwirtschaft ist und bleibt das beste System“
    Das, was wir vor der Krise hatten, war ja Marktwirtschaft, oder etwa nicht? Dieses System hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Und das ist nicht wirklich eine Referenz… es braucht eine Evolution!

    Marktwirtschaft will KEINE Regeln, auch nicht einfache. Als letztes aber sicherlich keine Regeln um den Planeten zu schützen. Finden Sie denn nicht, dass dieses System eine gigantische Ressourcenplünderung veranstaltet hat und immer noch veranstaltet?

    Eine starke Währung hatten wir mal, als es noch Golddeckung gab. Doch diese wurde abgeschafft, um das explosionsartige Wachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt erst zu ermöglichen. Jetzt fällt das Kartenhaus eben zusammen. Scheibenkleister.

    Nein, Marktwirtschaft hat bewiesen, das sie zur Wirtschaftsdiktatur mutiert. Es reicht jetzt. Ausgespielt.

    Jeder Versuch, das System zu reformieren, wird MEHR Regulierung bedeuten. Deshalb ist Staatskapitalismus, wie Sie ihn nennen, die logische Konsequenz des Experimentes. Es bleibt uns nicht anderes übrig als einzusehen das das amerikanische neoliberale Modell am Ende ist.

    Gut so. Versuchen wir was neues. Es war sowieso ziemlich öde und langweilig, dieser universelle Konformismus der letzten Jahre.

  4. ketzerisch sagt:

    Das was wir vor der Krise hatten war teilweise Marktwirtschaft. Ich will nicht behaupten, dass in einer echten Marktwirtschaft nie Krisen auftreten können, aber in der aktuellen Krise sind die Probleme an der Stelle aufgetreten, an der der Staat sich zu stark eingemischt hat: In der Bankenindustrie.

    Der Kardinalfehler des Staates war es den Banken die Gewinne zu lassen und gleichzeitig zu (implizit) garantieren, dass er die Verluste übernehmen wird. Was er ja auch getan hat durch aberwitzig viele Milliarden in den letzten Monaten. Siehe auch

    https://verlorenegeneration.wordpress.com/2009/01/10/eigenkapitalquoten-der-banke/

    Was wir brauch ist nicht mehr Staat, sondern weniger. Der Staat muss die Banken in der selbst verschuldeten Patsche sitzen lassen. Das Geld was er denen nun gibt ist das Geld der Mittellosen. Der Staat hat zwei wesentliche Aufgaben:

    1) Für einen faire gleiche Chancen und Freiheit der Bürger zu sorgen. Mit klaren Regeln, die u.a. die Umwelt schützen.

    2) Denjenigen finanziell unter die Arme zu greifen, die sich nicht selber versorgen können, damit keiner unwürdig leben muss.

    Aktuell verstößt der Staat gegen 1) und riskiert dabei, dass er 2) nicht mehr erfüllen kann.

  5. meatspace sagt:

    „Was wir brauch ist nicht mehr Staat, sondern weniger.“

    Das ist vorbei. Der Neoliberalismus hat seine Chance gehabt und hat kläglich versagt. Game over.

    Sehen Sie, wir verlassen soeben das duale Zeitalter. Die entweder-oder Denkweise bringt uns nicht mehr weiter.

    Es geht nicht um entweder Marktwirtschaft oder Staatskapitalismus, entweder richtig oder falsch.

    SOWOHL Staatskapitalismus ALS AUCH neoliberale Marktwirtschaft haben ihre Tücken.

    Beide Doktrinen wurden gepredigt und ausprobiert, beides ging schlussendlich in die Hose.

    Nun geht es darum, die bewährten Ansätze beider Systeme miteinander zu kombinieren.

    Genau darin, liebe Leser, liegt eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit.

  6. ketzerisch sagt:

    Der sogenannte Neoliberalismus war leider nicht sonderlich marktwirtschaftlich. Er baute auf dem Versprechen, dass der Staat die Verluste trägt. So funktioniert aber keine Marktwirtschaft. Ein funktionierender Markt entsteht nur, wenn derjenige die Gewinne erhält, der auch das Risiko trägt.

    Wenn es also private Banken gibt, dann müssen diese auch die Verluste tragen. Ich finde es bezeichnend, dass die kleinen Privatbanken mit persönlich haftenden Gesellschaftern keine riesen Verluste aufgehäuft haben. Denn diese Banken wissen, dass sie selber die Verluste tragen.

    Was wir brauchen ist kein Neoliberalismus und auch keine Staatswirtschaft, sondern gute alte Marktwirtschaft. Eine in dem der Staat Unternehmen den Vogel zeigt, wenn sie Geld von ihm haben wollen.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin kein Fundamentalist was Unternehmen im Staatsbesitz angeht. Das ist zwar oft keine gute Lösung, aber im Prinzip stört es mich nur, wenn es eine Dauerlösung ist. Was mich aber auf die Palme bringt, ist die Art wie bspw. der Staatseinstieg bei der Commerzbank durchgeführt wurde: Der Staat hat dabei massiv Geld verschenkt und Verluste sozialisiert. Daher bin ich für andere Arten Banken zu retten als mit Staatsgeld. Diese zum Beispiel:

    https://verlorenegeneration.wordpress.com/2009/01/17/rettung-der-banken-ohne-staatsgeld/

  7. sehrzynisch sagt:

    Neoliberalismus ist mittlerweile nicht mehr, als ein politischer Kampfbegriff mit dem versucht wird, gegen jeden zu agitieren der versucht marktwirtschaftliche Grundsätze zu etablieren. Dieser Begriff ist aufgeladen mit Kält, Zynismus und seiner Benutzer haben es geschafft, dass diejenigen denen er einmal anhafftet mit verabscheung betrachtet werden.
    Leider sind es häufig die Benutzer des Begriffes selbst, die uns mit Heilsversprechen und guten Absichten in einer langfristig viel größere Vertrauenskrise schicken.
    Das sog. „neoliberale System“ arbeitet heute mit Staatsquoten, die bei über 40 % liegen (in den 50er bei 25-30 %), einer überbordenten Bürokratie und vielfacher Regulierung. Das ist alles andere als liberal. Der Staat ist nicht die Lösung – er wird das neue Problem. Er mutiert wieder zum Leviathan.

  8. […] während der Great Depression zu einer Verschlimmerung der Situation geführt hat (siehe auch da und da). Das Problem dabei ist natürlich nicht der Stahl, sondern dass andere Länder das den USA […]

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