Finanzkrise erreicht die Straße

Eine der Begleiterscheinung der großen Depression waren  hohe Bürgerunzufriedenheit, Proteste der Bevölkerung und der Zulauf zu radikalen Parteien – links wie rechts. Das wir davon nicht mehr weit entfernt sind, zeigen Nachrichten wie diese:

Icelandic Prime Minister Geir Haarde on Friday called early elections following violent protests on the streets of Reykjavik. Meanwhile, Europe’s top politicians are on edge following clashes in Bulgaria, Latvia, Lithuania, Hungary and Greece.

Unruhen in viele Ländern Europas. Es trifft inbesondere die Länder mit hoher Staatsverschuldung und entsprechend hohem Risiko eines Staatsbankrotts. Es ist erkennbar, dass dies auch bald in den USA soweit sein wird. Nicht so sehr wegen eines Staatsbankrotts, sondern eher wegen der hohen Inflation.

Icelandic Prime Minister Geir Haarde, rattled by the financial crisis and widespread anti-government protests, called early national elections for May 9 on Friday and announced he was stepping down.

Haarde, 57, said he would not seek re-election because he has a throat tumor. The new timetable brings forward elections which were due in 2011.

Iceland, the epicenter of the banking crisis, saw huge debts toppling its banks last autumn. Its fragile economy is expected to contract by 10 percent this year. Faced with rocketing unemployment and rising inflation, Icelanders have increasingly taken to the streets to voice their anger.

Achtung: Die steigende Inflation ist keine Folge der Bankenkrise. Die Inflation ist eine direkte Folge der Gelddruckmaschine, die Island angeworfen hat um die Banken zu retten. Die Verstaatlichung der Banken war ein törichter Fehler. Aber einer, der auch in vielen anderen Ländern von den Regierungen begangen wird – Deutschland inklusive. Ein bankrottes Bankensystem ist katastrophal, aber ein bankrotter Staat ist viel schlimmer.

Tensions in Reykjavik peaked on Thursday night when police used tear gas to control rioters for the first time since 1949. Demonstrators say the ruling Independence Party have brought financial ruin to a once wealthy island. In recent days, crowds of 2,000 — from a population of 320,000 — have gathered in front of the parliament to rail against the government.

Polls suggest a new election would likely spell a swing to the left with the Left-green party profiting from the tide of anti-capitalist sentiment.

Hoffen wir mal, dass es nicht Kommunisten oder Rechtsradikale werden.

Icelanders haven’t been the only ones in Europe taking to the streets to voice their disgust at worsening economic conditions. People in Bulgaria, Latvia, Lithuania, Hungary and Greece have likewise been voicing their frustration.

Indeed, with the European wave of social unrest gathering speed, there have been signs of concern among top European Union politicians. In March, a summit of European leaders will focus on the rising protests, a senior European Union source told the British newspaper The Daily Telegraph on Thursday.

Ach? Im März schon? Jede 100 Milliarden werden dem Bürger in Handumdrehen entwendet; aber die wirklichen Probleme werden in Monaten angegangen? Liebe Politiker, ich habe keine Angst vor einer zweiten Depression, ich habe keine Angst vor einstürzenden Banken und Kreditklemmen. Ich habe Angst vor durch Inflation verarmten Arbeitern und vor radikalen Parteien. Hier steht unsere Demokratie und Freiheit auf dem Spiel. Versteht das endlich!

„There are concerns. The EU shares them. It is one of the major challenges for the Spring Council,“ the senior European source said.

In December, French President Nicolas Sarkozy even went so far as to warn of „May 1968“ protests spreading across Europe.

Das geht ja noch. Ich warne vor November 1938.

Since then „intensive sharing of information“ is under way among a number of EU governments, including France and Germany. Concern has risen as riots in various countries in Europe have grown more dramatic among soaring unemployment and slashed government spending.

Last week, Lithuanian police fired tear gas at demonstrators who threw stones at the parliament in protest at government social spending cuts. Meanwhile in Bulgaria, hundreds protesters smashed windows, fought police and damaged cars when an anti corruption protest escalated into a riot.

Hier liegt die Gefahr: Litauen hat die Sozialausgaben gekürzt. Warum? Weil sie sich keine Sozialausgaben mehr leisten können. Das ist ein Zustand, in den wir nie, nie, nie reinkommen dürfen. Daher meine eindringliche Bitte: Hört auf die Sozialausgaben von morgen, den insolventen Banken von heute hinterher zu werfen. Wenn wir 2011 Harz IV kürzen müssen, weil kein Geld mehr da ist: Was passiert dann in Deutschland?

Update:

Die deutsche SpOn-Seite berichtet zusätzlich:

Sprecher der Protestbewegung jedenfalls kündigten am Wochenende an, man werde bei den Neuwahlen mit einer ganz neuen Partei antreten. Das könnte die gewohnten Mehrheitsverhältnisse auf Island mit Haardes konservativer Unabhängigkeitspartei als dominierender Kraft völlig umwerfen.

Ich will den Demonstranten nichts unterstellen und auch nicht ihr gutes Recht absprechen eine eigene Partei zu gründen. Im Gegenteil: eine Partei, die weitgehend meine politische Meinung vertritt, gibt es in Deutschland auch nicht. Nur Protestparteien wissen bis zur Wahl oft noch nicht, welche Politik sie eigentlich vertreten – außer vielleicht in einem sehr engen Bereich. Oft genug holt man sich so Extremisten  mit ins Boot, auch wenn viele Parteigründer nicht extremistisch sind.

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10 Responses to Finanzkrise erreicht die Straße

  1. […] in China Nicht nur in Europa löst die Finanzkrise und das schlechte Krisenmanagement der Regierungen Proteste aus. Auch in […]

  2. […] gegen Sarkozy Seit Beginn der Weltwirtschaftskrise warnt dieses Blog vor allem vor den politischen Folgen der Staatshilfen und der Sozialisierung der Verluste. Diese sind eine direkte Folge der […]

  3. […] ist genau das eingetreten, vor dem wir am Beispiel Litauens gewarnt haben: Hier liegt die Gefahr: Litauen hat die Sozialausgaben gekürzt. Warum? Weil sie sich keine […]

  4. […] Beginn der oft als Finanzkrise verharmlosten Weltwirtschaftskrise sind unsere größte Sorge die politischen Auswirkungen des sinkenden Lebensstandard. Es besteht die Gefahr, dass es zu sozialen Unruhen, Ausschreitungen und autokratischen Regierungen […]

  5. […] es zu sozialen Unruhen, Ausschreitungen und autokratischen .. Originalartikel hier anschauen: Finanzkrise erreicht die Straße « Verlorene Generation Hier […]

  6. […] Mir wäre ein Tausch von Fremd- gegen Eigenkapital lieber als eine Bankenpleite. Ist mit geringeren gesellschaftlichen Kosten verbunden. Damit tragen die Altaktionäre den Verlust aus den […]

  7. […] der Extremisten in Europa Es besteht die Sorge, dass im Zuge der Weltwirtschaftskrise die extremistischen Parteien an Einfluss gewinnen könnten. Daher hier eine Übersicht über die Extremisten in den EU-Ländern. Die Liste wird im […]

  8. Stefan Wehmeier sagt:

    THEOLOGISCHE DEBATTEN DES MITTELALTERS

    „Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.“

    Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008)

    Die Religion, die schon immer die Aufgabe hatte, die Fehler der Makroökonomie aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes auszublenden, war solange notwendig und sinnvoll, wie niemand diese Fehler zu beheben wusste, die zwangsläufig zu systemischer Ungerechtigkeit und damit zu Massenarmut und Krieg führen. Ohne die selektive geistige Blindheit, die uns „wahnsinnig genug“ für die Benutzung von Zinsgeld machte, und die noch heute die Menschheit in Herrscher (Zinsprofiteure) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, wäre unsere Zivilisation nie entstanden.

    Erst der Prophet Jesus von Nazareth erkannte, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erzielen kann. Doch mit dem Cargo-Kult des Katholizismus mutierte die seit Jesus eigentlich überflüssige Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode: weitere 1600 Jahre Massenarmut und Krieg, seit der Vernichtung der Gnosis (Kenntnis) im vierten Jahrhundert.

    Die „heilige katholische Kirche“ degradierte das Genie zum moralisierenden Wanderprediger und projizierte das von Jesus vorhergesagte „Königreich des Vaters“ (Freiwirtschaft, Vater der Kultur = Kreditangebot), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches „Himmelreich“ der Toten, nur um selbst eine „Moral“ verkaufen zu können, die in der idealen Makroökonomie so sinnlos ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.

    Der religiöse Wahnsinn beließ die Menschheit in der systemischen Ungerechtigkeit des Privatkapitalismus (Erbsünde) und ließ so dem ersten Weltkrieg noch einen zweiten folgen, obwohl der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916, unabhängig von der Heiligen Schrift und erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage, genau das wieder beschrieb, was der geniale Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte als Wahrheit erkannt hatte: absolute Gerechtigkeit durch absolute Marktgerechtigkeit.

    Heute (2009) sind wir an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte: Wir stehen unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), der totalen Selbstvernichtung, denn der Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab! Doch ein Atomkrieg ist gar nicht erforderlich, um unsere ganze „moderne Zivilisation“ auszulöschen; es reicht schon aus, wenn wir weiterhin an den „lieben Gott“ (künstlicher Archetyp: Jahwe = Investor) glauben und Zinsgeld (Geld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) verwenden.

    Ich wünsche dem einstigen Land der Dichter und Denker Viel Erfolg bei der Auferstehung noch vor dem jüngsten Tag (1. Januar 2010).

  9. […] und ist lediglich eine gigantische Wohlstandsumverteilung von arm zu reich. Schon kurz nach Lehman schrieb ich: Die Verstaatlichung der Banken war ein törichter Fehler. Aber einer, der auch in vielen […]

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