Die Vergänglichkeit von Staatsgeld

Das ist die Zahlungsfähigkeit der Staaten endlich ist, wird in diesem Blog hinreichend thematisiert. Da ist es um so ärgerlicher, wenn die sogenannten Staatshilfen von Hunderten und Tausenden Millionen Euro ein Unternehmen nur für kaum merkliche Zeit am Leben halten und das gleiche Unternehmen nach kaum einem Monat gleich wieder am Kanzleramt anklopft. So geschehen bei der Hypo Real Estate. Und nun auch bei Qimonda.

n-tv schreibt:

Die Infineon-Tochter Qimonda braucht zum Überleben noch mehr frisches Geld. Qimonda habe in den Verhandlungen über staatliche Bürgschaften mitgeteilt, dass es kurzfristig einen zusätzlichen Finanzbedarf von 300 Mio. Euro gebe, verlautete aus Finanzkreisen.

Erst kurz vor Weihnachten hatten Sachsen, Portugal und der Mutterkonzern Infineon ein Rettungspaket über 325 Mio. Euro zugesagt. Seitdem wird über die Details des Darlehensvertrags verhandelt. Der Chiphersteller Qimonda benötige insgesamt aber über 600 Mio. Euro, für die vor allem der Staat bürgen soll, hieß es in den Kreisen.

Prima Vorgehen: Immer zu wenig fordern. Wenn die Politiker erst einmal 300 Millionen in den Wind geschossen haben, dann könne sie die nächsten 300 Millionen nicht mehr verwehren ohne zuzugeben, dass die ersten 300 Millionen ein Fehler waren.

Zum Hintergrund: Qimonda hat eigentlich noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Nicht einmal zu aller besten Super-Duper-Boomzeiten. Wenn eine Firma kein Lebensrecht hat, dann diese hier.

Update:
Nun nimmt sich auch die FAZ des Themas an:

„Wenn Qimonda nicht in 48 Stunden frisches Geld auftreibt, dann ist die Sache vorbei“, hieß es am Donnerstag. In Branchenkreisen wurde bestätigt, dass Qimonda für eine tragfähige Lösung nur noch wenige Tage Zeit blieben.

[..]

Hinter den Kulissen wird nicht ausgeschlossen, dass der Bund oder die Länder in letzter Minute doch noch in die Bresche springen, zum Beispiel mit Bürgschaften. Schließlich stünden im Bund und in Sachsen noch in diesem Jahr Wahlen an, hieß es.

Liebe Frau Merkel, bitte handeln Sie ganz schnell. Unterzeitdruck macht man am bekanntlich immer die besten Entscheidungen. Geben Sie Qimonda das Geld, damit sie erst nach der Wahl in Sachsen insolvent gehen. Der Wahlsieg sollte Ihnen schon 300 Mio. Wert sein.

Update 23.01.2009:
Qimonda hat Insovenzantrag gestellt. Einen Monat nach dem es 300 Mio. Euro Hilfen bekommen hat, davon 150 Mio. vom deutschen Steuerzahler. Laut Spiegel Online kam die Bürgschaftszusagen vom 21. Dezember 2008 jedoch noch nicht zur Auszahlung. Dem Steuerzahler entsteht somit vermutlich zunächst kein Schaden.

Eine Antwort zu Die Vergänglichkeit von Staatsgeld

  1. sehrzynisch sagt:

    Markthygiene gilt nicht viel in diesen Zeiten.

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