Rettung der Banken ohne Staatsgeld

Es ist ein Dilemma. Alle Banken sind de facto überschuldet. Jedes andere Unternehmen müsste in diesem Zustand Insolvenz anmelden, Banken melden einfach den Bedarf an Staatsgeld. Dieses Vorgehen ist keine Lösung. Keine Lösung für die aktuellen Probleme und erst recht keine Lösung für die Probleme von morgen. Hier ein Vorschlag, wie man die Banken ohne Staatsgeld sanieren könnte.

Das eigentliche Problem des aktuellen Vorgehens ist, dass die Staatshilfen einen höheren finanziellen Hebel der Banken ermutigen. Mit jeder Staatshilfe wird Steuergeld den Bankeinlegern geschenkt. Das ist kein nachhaltig tragfähiger Zustand. Da dies für die Einleger hohe Gewinne für wenig Risiko verspricht, werden so die Einlagen in Banken erhöht und er Hebel steigt. Das System wird instabiler, genau das Gegenteil von dem eigentlichen Ziel des Staatsgelds.

Eine Lösung wäre es die Banken insolvent gehen zu lassen. Um den Schaden für den Rest der Wirtschaft möglichst gering zu halten, müssen die Banken aber möglichst schnell nach der Insolvenz wieder geschäftsfähig werden. In einem normalen Insolvenzverfahren ist dies kaum möglich, denn es kann lange dauern und in der Zeit sind Ein- und Auszahlungen quasi unmöglich. Zudem werden Marktteilnehmer einer insolventen Bank zu recht kein Vertrauen entgegenbringen.

Besser wäre es daher ein beschleunigtes Insolvenzverfahren zu haben: Wenn Banken Insolvenz anmelden, dann wird der Insolvenzverwalter die Alteigentümer enteignen (Insolvenzquote von 0%) und alle Einleger zu einem Tausch der Einlagen gegen neue Aktien der Bank zwingen. Die Aktivseite der Bank bleibt so unberührt, die Passivseite hat nun eine Eigenkapitalquote von 100%. Damit ist die Bank instantan wieder solvent und kann Geschäfte tätigen und sogar neue Kredite aufnehmen. Die Einleger haben ihre fairen finanziellen Schaden erlitten, denn die neuen Aktien sind vermutlich weniger Wert als die Einlagen vor der Insolvenz.

Die Friktionen aus dem Insolvenzverfahren würden so minimiert und der Schaden für die Realwirtschaft ebenso. Wird die Insolvenz der Bank vermieden, so bessert sich ihre Eigenkapitalquote nicht und sie steht als Kreditgeber für längere Zeit quasi nicht zur Verfügung. Das ist genau der Zustand in dem wir uns jetzt befinden.

Also, bitte lasst die Banken pleite gehen und sorgt dafür, dass sie danach möglichst schnell wieder auf eigenen Beinen stehen.

Update 19.01.2009:

Anschreckendes Beispiel wie man es nicht macht: Hier.

17 Antworten zu Rettung der Banken ohne Staatsgeld

  1. Felix sagt:

    Genau den Gedanken hatte ich auch schon mal…

    Zwei Probleme noch:

    – Banken haben Verbindlichkeiten in verschiedenen Währungen, in Wertpapieren oder in Derivaten (z.B. CDS) mit dazu verschiedenen Fälligkeiten. Eine Lösung über durch den Insolvenzverwalter bestimmte Umrechnungsverhältnisse wäre marktfeindlich und auch praktisch schwierig: Wertpapiere oder die Basiswerte von Derivaten können illiquide sein, d.h. es ist keine Information über Marktpreise vorhanden.

    – Wenn eine Bank schon fast pleite ist, sie also keine neuen Kredite mehr aufnehmen kann, sie aber noch durch Beleihung oder Verkauf von Wertpapieren in der Lage ist, den laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, kann sie ihre normale Geschäftstätigkeit nicht mehr sinnvoll betreiben; zu diesem Zeitpunkt ist der Aktienkurs aber immer noch größer null, da es immer noch eine kleine Wahrscheinlichkeit gibt, dass es doch anders kommt, bevor Insolvenz angemeldet werden muss. Die Bank hat auch keinen Anreiz, in dieser Situation ihr Eigenkapital durch Ausgabe neuer Aktien zu erhöhen, da dadurch nur der potentielle Gewinn der Alteigentümer im unwahrscheinlichen Fall einer nicht-Insolvenz geschmälert wird, im wahrscheinlicheren Fall der Insolvenz jedoch das Geld den Gläubigern zufließt. Hier wäre es also wünschenswert, die Bank schon früher zum Insolvenzanmelden zu zwingen – wird das Verfahren jedoch irrtümlich eingeleitet, werden die Alteigentümer ungerechtfertigterweise enteignet.

    Beides kann aufgelöst werden, indem ein Verfahren wie folgt angewendet wird:

    1) Alle Banken mit einer übermäßigen Insolvenzwahrscheinlichtkeit werden zu diesem Verfahren gezwungen;

    2) Der Insolvenzverwalter setzt einen Betrag fest, um den das Eigenkapital erhöht werden soll, um die Insolvenzwahrscheinlichkeit hinreichend zu verringen;

    3) Der Insolvenzverwalter gewährt Einblick in die Bücher der Bank;

    4) Es wird eine für alle offene Auktion veranstaltet, bei der der Bieter, der bereit ist, für die geringste lineare Kürzung der Verbindlichkeiten die festgesetzte Menge Eigenkapital bereitzustellen, den Zuschlag erhält; in diesem Fall werden die Alteigentümer enteignet. Wenn mehr als ein Bieter auch ohne Kürzung der Verbindlichkeiten bereit ist, das Eigenkapital bereitzustellen, entscheidet sich der Zuschlag nach dem gebotenen Geldbetrag je neu ausgegebener Aktie. In diesem Fall tritt nur eine Verwässerung des Eigentums der Altaktionäre auf.
    Die Auktion kann natürlich einfach ausgeweitet werden, sodass mehrer Bieter sich den Zuschlag teilen können.

  2. sehrzynisch sagt:

    Ich glaube, der Vorschalg löst das tatsächliche Problem nicht: Die Bewertung der Aktivseite. Bei Deinem vorschlag blieben die Assets ja auf den büchern und die ehemaligen FK-Geber würden sie dann besitzen; ihr Wert wäre aber nach wie vor ungewiss.

  3. Hallo

    ohne fachmann zu sein: Auch ich glaube, dass es in irgend einer Form auf ein „Alle zurück auf Start“ hinauslaufen muss. Ob die Schulden, die, wie Max Otte m.E. richtig schreibt, „die nachfolgenden Generationen beim besten Willen nicht mehr bedienen können“ nun weginflationiert werden, ob die Währungen crashen oder was auch immer. (Otte meinte vor allem die US-Schulden, aber das dürfen wir so langsam getrost auch auf uns anwenden. Brüningsche Eisenbarth-Sparkuren, um das gleich zu sagen, helfen ebenso wenig! Derzeit gibt es wohl keine Alternative zu einem massiven deficit spending, aber was kommt danach?)

    Dasss wir an einer zeitenwende leben, scheint mir immer wahrscheinlicher…

  4. ketzerisch sagt:

    @wahlkampfanalyse2009
    Die US-Schulden sind ein Vielfaches höher als die Deutschen. Rezepte, die für die USA gut sein mögen, können daher nicht auf Deutschland übertragen werden. Zudem ist Deutschland nicht Herr über seine Währung. Ein „weginflationieren“ der Staatsschuld setzt eine Kooperation der EZB voraus. Die sehe ich so noch nicht. Außerdem wäre eine hohe Inflation fatal für die Geringverdiener und Arbeitslosen.

    Ich kennen keine Meinung, die der Regierung einen Sparkurs empfiehlt. Aber ich bin der Meinung, dass man die Staatsschuld nicht mehr als nötig ausweiten sollte. Nötig ist: Die kommenden vielen neuen Arbeitslosen versorgen. Ausgabenprogramme halte ich für kontraproduktiv.

  5. ketzerisch sagt:

    @Felix:

    Prima Einwände. Vielen Dank.

    Problem 1 sehe ich ein, wenn es auch in der Praxis weniger kritisch sein könnte als es auf den ersten Blick aussieht. Die Verbindlichkeiten in Fremdwährungen könnten zu einem offiziellen Kurs umgerechnet werden; bspw. dem EZB-Referenzkurs. Gehandelte Wertpapiere müssten mit ihren Marktwerten (Geldkurs) bspw. 3 Monate vor der Insolvenz bewertet werden. Nicht notierte Wertpapiere müssten im Wert, so wie jetzt auch, festgelegt werden.

    Für Derivate haben sich die Kontrahenten in aller Regel schon auf ein Bewertungsmodell geeinigt, welches dann im täglichen Margining eingesetzt wird. Derivate könnten bei Insolvenz dann zu diesem Preis aufgelöst werden. Man könnte die Derivate und andere außerbilanzielle Geschäfte aber auch einfach stehen lassen. Sollen sich die neuen Eigentümer darum kümmern.

    Trotzdem bleibt der Einwand, dass es wahrscheinlich zu einem Rechtsstreit bezüglich der fairen Verteilung der neuen Aktien kommen wird. Dieser sollte die Neuaufstellung der Bank nicht verzögern dürfen. Am besten schafft man also eine Zwischenholding, welche die neuen Aktien hält und ggf. zu einer festgesetzten Frist an die Börse bringt. Um den Besitz der Holding – und damit um Verkauserlöse – können sich die Neueigner streiten. Gerne auch jahrelang ohne dass dies die Bank weiter belastet.

    Problem 2 ist prinzipbedingt bei finanziellen Anspannungen. Das Problem existiert jetzt schon und wird von meinem Vorschlag nicht erzeugt oder gelöst. Der Regulator hat hier Möglichkeiten einzugreifen und sollte die auch nutzen. Sicher hat er in der aktuellen Krise schon viele gute Möglichkeiten hierzu ausgelassen.

    Ihr Lösungsvorschlag der Auktion mit linearer Kürzung der Verbindlichkeiten ist aber sehr charmant. Für viele Konstellationen löst er sicher die Bewertungsfragen auf der Passivseite. Da diese nur relativ sind (also die Bewertung der unterschiedlichen Verbindlichkeiten untereinander), ist eine lineare Kürzung aller Nominale ein Königsweg. Gibt es aber unterschiedliche Ränge in den Verbindlichkeiten, so geht das mit der linearen Kürzung aber nicht so einfach. Dann müsste man das Verfahren wohl mehrstufig machen: Erst wird um Gebote für die Kürzung der Vorzugsaktien gebeten. Gibt es keine Gebote, so werden auch die Halter der Vorzugsaktien enteignet und es wird um Gebote für die Kürzung der Nachrangdarlehen gebeten, und so weiter. Gibt es ein Gebot, so wird die lineare Kürzung nur im aktuellen Rang durchgeführt. Niedrigere Ränge werden enteignet, höhere bleiben unberührt.

  6. ketzerisch sagt:

    @sehrzynisch: (Edit, weil erst nicht richtig verstanden)

    Auch ein berechtigte Einwand. Der gilt natürlich auch für einen von mir vorgeschlagenen Börsengang. Implizit vielleicht auch für die Kurse der Verbindlichkeiten, welche für eine Verteilung der Passivseite herangezogen würden.

    Der Vorteil der Verfahren bleibt darin bestehen, dass keine Vermögensschäden durch Zwangsverkäufe illiquider Produkte entstehen. Die Halter der Verbindlichkeiten haben ja die Möglichkeit selber bei den Börsengang oder der Auktion teilzunehmen, wenn der gebotene Preis ihnen zu niedrig erscheint.

  7. […] der Banken ohne Staatsgeld (2) Zufällig geistert der Vorschlag Banken ohne Staatsgeld zu retten nun auch durch die englische Blogosphäre. Auch Luigi Zingales, ein renommierter Ökonom, ist […]

  8. […] gewählt, als es heute gebraucht wird.  Dies Verfahren ist Vorbild für den Vorschlag von Verlorene Generation: Besser wäre es daher ein beschleunigtes Insolvenzverfahren zu haben: Wenn Banken Insolvenz […]

  9. […] wäre auch eine gute und gangbare Alternative zu den von mir vorgeschlagenen Umwandelung von Fremdkapital in Eigenkapital. Damit haben wir folgende bessere Vorschläge als das aktuelle […]

  10. […] Liebe Regierung. Das finde ich klasse. Ein besseres Insolvenzrecht ist genau, was Deutschland benötigt. Hier ein Vorschlag, welchen Mechanismus man noch neben den bisherigen Insolvenzrecht gebrauchen könnte. Damit lassen sich Banken ganz ohne Staatsgeld retten. […]

  11. […] Dann sind die Banken pleite. Mir wäre ein Tausch von Fremd- gegen Eigenkapital lieber als eine Bankenpleite. Ist mit geringeren gesellschaftlichen Kosten verbunden. Damit tragen […]

  12. […] Debt-Equity-Swap wäre billiger. Jetzt und zur Vermeidung von zukünftigen Übertreibungen […]

  13. […] des Blogs schreibe ich in regelmäßigen Abständen, dass es eine gute Idee wäre bei Banken im Insolvenzfall Debt-Equity-Swaps zu erzwingen. Das heißt, dass an Stelle eines normalen Insolvenzverfahrens (i.d.R. ein Verkauf der […]

  14. NoName sagt:

    Interessante Frage ist: Braucht man eine Grössenbeschränkung von Banken? und wie könnte es aussehen?

  15. […] my german readers: In einem Kommentar auf Verlorene Generation habe ich diesen Vorschlag bereits am 18.01.09 […]

  16. […] Die eigentlichen Bösewichte waren aber die Banken und die machen genauso weiter wie bisher. Meinen simplen Vorschlag zur Lösung, erzwungene und vordefinierte Debt-Equity-Swaps für Banken, habe ich hier immer wieder dargelegt. […]

  17. […] Die Einschläge kommen näher Seit eh und je predige ich die Debt-Equity-Swaps als Mittel gegen die Erpressung des Steuerzahlers durch […]

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