Eigenkapitalquoten der Banken

Im Blog Wirtschaftliche Freiheit hat Prof. Norbert Berthold den interessanten Beitrag „Kopflose Ökonomen, coole Politiker?“ geschrieben. Es freut mich, dass er auch den keynsianischen Ausgabenprogrammen skeptisch gegenübersteht (wir auch). In den Kommentaren zum Beitrag ist eine Diskussion u.a. zum Thema „Warum sind die Eigenkapitlaquoten der Banken so niedrig?“ enstanden. Hier mein Beitrag dazu:

Die niedrigen Eigenkapitalquoten stammen meiner Meinung nach aus der viel zu niedrigen Kosten des Fremdkapitals. Was jetzt nach Marktversagen klingt, ist aber eher eine ordnungspolitische Schwäche.

Ein Grund: Weil die Fremdkapitalgeber stets mit einer Rettungsaktion des Staates retten können, verlangen sie viel zu niedrige Risikoprämien. Ich kenne aus eigener Anschauung einige Ratingverfahren mit denen Banken bewertet werden: Da ist die Größe der Bank entscheidender Faktor. Grund: Je größer die Bank, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass im Zweifel der Staat das Steuersäckle aufmacht. Die Ratingverfahren wurden alle vor der Finanzkrise entwickelt. Und die Entwickler der Verfahren sehen sich nun bestätigt. Der Faktor wird in Zukunft noch höher gewichtet…

Ein anderer Grund ist auch ordnungspolitisch: Der Regulator versucht den Banken dauernd einzureden, dass Kredite an Banken oder Staaten in irgendeiner Form weniger riskant seien als solche an Unternehmen. Das war schon in Grundsatz I so, in dem Bankkredite nur mit 20% des Eigenkapitals unterlegt werden mussten – Staaten oft gar nicht. In Basel II wird die Sache leider nicht besser. Die im Basel-Modell verwendeten Assetkorrelationen sind viel zu niedrig für Banken. Zudem ist eine empirisch nicht belastbare Abhängigkeit der Korrelation von der Ausfallwahrscheinlichkeit einmodelliert worden – vermutlich auch nur um die Kapitalanforderung für Kredite an Banken zu reduzieren.

Meine Meinung dazu: Banken sind sehr sehr hoch korreliert mit dem Gesamtsystem. Daher sind Kredit an Banken riskanter als Kredite an Unternehmen. Zudem stellt sich aus ordnungspolitischer Sicht ein prinzipielles Problem aus dem Interbankenhandel: Wenn die Banken untereinander in finanzieller Abhängigkeit stehen, kann der Staat kaum eine Pleite gehen lassen ohne eine Kettenreaktion auszulösen in der alle Banken Pleite gehen. Also der Regulator sollte den Interbankenhandel durch höhere Kapitalanforderungen unattraktiver machen. Dann kann er auch mal eine Bank pleite gehen lassen, ohne dass gleich eine systemische Krise entsteht und dann erhöhen auch die Fremdkapitalgeber ihre Risikoprämien bei Krediten an Banken und die EK-Quoten der Banken steigen.

Update 19.01.2009:

In der FAZ gibt es nun ein schönes Bild zur Entwicklung des Eigenkapitals bei Commerzbank und Deutsche Bank, die das Problem der viel zu geringen Eigenkapitalquoten schön illustriert.

Entwicklung des Eigenkapitals. - FAZ

Entwicklung des Eigenkapitals. - FAZ

6 Antworten zu Eigenkapitalquoten der Banken

  1. […] ihre Risikoprämie zu verkleinern. Moral Hazard ist genau das Problem, warum die Banken nur so geringe Eigenkapitalquoten haben: Sie brauchen nicht mehr Eigenkapital, weil im Zweifel der Staat hilft. […]

  2. […] Sicherheit der Märkte/Banken/Eliten ist, dass die Regierung ihnen zur Not beispringt, hatte ich hier auch schon mal geschrieben: Lasst sie pleite gehen. Sonst funktioniert Marktwirtschaft […]

  3. […] mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Trotzdem ist Basel-II natürlich auch nicht perfekt, die Assetkorrelation fürs Interbankengeschäft sind viel zu niedrig. Dübel: I pursued the housing field as a private consultant economist to agencies such as the […]

  4. […] Politiker so agieren wie zuletzt). So kommt es, dass alle Gesetzeslücken ausgenutzt werden und die Deutsche Bank 2009 gerade mal eine Eigenkapitalquote von 1,7% hatte. Wieder schlage ich vor, dass Leser des Blogs zur nächsten Deutschen Bank Filiale gehen und […]

  5. […] gefährden. Das ist keine Behauptung, sondern Wissen. Wie ich schon mal erläutert habe, ist die Größe der Bank in gängigen bankinternen Ratingverfahren der mit Abstand wichtigste Faktor. Der Grund ist, dass große Banken eher Staatshilfen erhalten und nicht etwa, weil sie besser mit […]

  6. […] der Bank erheblich mehr für die Geschäfte und Stabilität der Bank interessieren. Spekulation mit Eigenkapitaldeckung von 1% oder 2% gäbe es dann nicht mehr. Vielmehr müßte jede Bank daran interessiert sein, Ihren […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: