USA für Hunger

Wenn darüber abgestimmt wird, ob jeder das Recht auf eigene Ernährung haben sollte, so ist das eigentlich ein Selbstläufer. Wenig überraschend hatte die UN hier eine rekordverdächtige Zustimmung von 184 Ländern erhalten. Darunter von Regimen wie Nordkorea, die ihre Bevölkerung bisweilen verhungern lassen. Es gab keine Enthaltungen. Aber es gab eine Gegenstimme: Die USA waren der bizarren Meinung, dass sich nicht jeder ernähren dürfte.

„Die USA sollten aufhören zu fragen, warum alle anderen sie hassen. Sie sollten anfangen zu fragen, warum die USA alle anderen hassen.“, meint Daily Kos. Dem schließe ich mich an. Das die USA und die EU mit ihrer zynischen Agrarpolitik den Welthunger fördern ist schlimm genug, aber hier dagegen zu stimmen ist absurd. Das kostet nichts und das hat keine Auswirkungen. Es sei denn man hat vor jemanden hungern zu lassen. Dann wäre das zukünftig ein Verstoß gegen die UN-Menschenrechte. Die Resolution wurde ja trotz der amerikanischen Gegenstimme angenommen.

(via 11k2)

Update: 26.12.2008
Ralf Südhoff, Deutschland-Chef des Welternährungsprogramms der Uno, in Spiegel-Interview.

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5 Responses to USA für Hunger

  1. ladenschluss sagt:

    Hmm, das hat wohl einfach damit zu tun, was man als Menschenrecht deklarieren möchte, nicht die „bizarre Meinung, dass sich nicht jeder selbst ernähren dürfte“ oder „USA für Hunger“.

    Wenn ich jemanden erschlage, dann verstoße ich ziemlich direkt gegen sein Recht auf Leben und demzufolge hab ich jemanden, der schuldig ist.

    Das „Recht auf Ernährung“ funktioniert aber anders.

    Und in ein paar anderen Kontexten funktioiert es auch anders. Schon der Höhlenmensch hatte ein Recht auf Freiheit, aber ein Recht auf Ernährung hatte er nicht …

    Das hat nichts damit zu tun, dass man Menschen reihenweise verhungern sehen möchte.

    Ich frage mich auch, was die UN da macht, besonders wenn es „nichts kostet und keine Auswirkungen hat“ und den Begriff „Menschenrecht“ komplett seiner historischen Wurzeln enthebt.

    A propos UN-Resolutionen, da stimmen die USA öfter dagegen (rechtlicher Feinheiten wegen), auch wenn sie sie nachher perfekt einhalten. Die UN-Frauenrechtskonvention wurde von Ländern wie Saudi-Arabien unterzeichnet, von den USA aber nicht. Die mitlesende Damenwelt mag selbst entscheiden, in welcher Gesellschaft sie sich besser repräsentiert sehen. Andere Länder machen das gleiche, Polen, der große Kriegsstaat, ist gegen die Ächtung bestimmter konventioneller Waffen usw.

    Man sollte da nicht immer den bösesten Willen hineinlesen.

  2. ketzerisch sagt:

    Ich habe da keineswegs bösen Willen hereininterpretiert. Ich finde es lediglich bizarr. Ich glaube nicht, dass es der Meinung der Regierung Bush entspricht, dass Leute verhungern sollten. Nur warum soll die Ernährung kein Menschenrecht sein? Es gibt einfach keinen vernünftigen Grund dagegen.

    Eine Unterscheidung sollten wir an dieser Stelle noch machen: Es ist das Recht sich zu ernähren als Menschenrecht festgeschrieben worden. Das Gegenteil davon ist Hungern und nicht zwangsläufig Verhungern. Insofern ist das Recht sich zu ernähren mehr als eine Untermenge von dem Lebensrecht und Dein Beispiel mit dem Erschlagen nicht ganz treffend.

    Auch Höhlenmenschen hatten das Recht sich zu ernähren. Sie hatten nicht das Recht sich ernähren zu lassen (also eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen). Es geht hier, m.E., nur um das Recht sich selber die Hand mit Essen an den Mund führen zu dürfen. Dagegen hat die USA gestimmt.

  3. Schon alleine die von dir herovrgehobene Tatsache das eine Pro- oder Kontrahaltung zu diesem Thema vor den Vereinten Nationen, weder etwas verändert, noch verbessert. Erklärt alles. Dieser Debattierclub hat halt mal wieder ein Prestigeträchtiges Thema gesucht, zu dem es sich zu sabbeln lohnt.

    Wenn der Club aufgelöst und das so eingesparte Geld der Welthungerhilfe zu Gute kommen würde wären alle glücklicher.

    Die Kontraposition der USA ist also in Summe, so oder so völlig unerheblich…

  4. ketzerisch sagt:

    Das „das hat keine Auswirkungen“ war auf die USA bezogen. Da werden ja keine Leute an der Ernährung gehindert. (Außer vielleicht in Guantanamo, weiß ich aber auch nicht)

    Die Menschenrechte wurden eingeführt, um Verbrechen bestrafen zu können, die nach den normalen Strafgesetzen des Landes, in dem sie auftraten, nicht verboten sind. Viele der Armenier im osmanischen Reicht waren ausgehungert und sind an Erschöpfung gestorben. Und augenscheinlich war genau das auch eines der Ziele von Enver Pascha.

    Die Menschenrechte sollen daher eine Warnung an alle sein, das die Staatengemeinschaft dies nicht (mehr) dulden wird.

    Im Übrigen finde ich es nicht unerheblich welche Position man (Person oder Regierung) äußert, auch wenn die eigene Meinung vielleicht keine Auswirkung hat.

  5. Mercy sagt:

    Das Problem dürfte sein, dass in den USA 35 Millionen Menschen Hunger leiden und da womöglich peinliche Klagen drohen, schließlich haben die USA im Gegensatz zu Nordkorea ein Rechtssystem.
    Was den Debattierclub UNO angeht wäre ich glücklicher wenn die USA endlich, endlich mal austreten würden, anstatt immer Blockadepolitik zu betreiben. Da besteht aber wohl wenig Hoffnung.

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