Implosion in der Schifffahrt

Die gute Nachricht vorab: Die Auftragsbücher der Werften sind voll und alle Schiffsbaukapazitäten bis 2011 ausgebucht. Zwischen Bestellung und Ablieferung eines Schiffs vergehen nämlich bis zu 3 Jahren.

Die schlechte Nachricht: So wie es derzeit aussieht wird die Schiffe kein Mensch brauchen, denn schon jetzt leidet die Schifffahrt unter einem dramatischen Nachfragerückgang. Fallen Kurse ist man in letzter Zeit ja schon aus vielen Ecken gewohnt: Aktien, Ölpreis, Gold, …. alles fällt. Aber wenn man sich die Charterraten anschaut, so ist das schon noch eine andere Hausnummer.

Balitc Exchange Bulker Index

Der Kurs ist von seinem Hoch bei knapp 12.000 auf aktuell 827 eingebrochen. In der Grafik sieht man auch sehr schön wie absurd hoch die Werte im historischen Vergleich denn auch waren.

In diesen Markt kommen nun eine ganze Latte neuer Schiffe zur Ablieferung. Dadurch wird das einzelne Schiff auch nicht wirtschaftlicher betreiben lassen. Es ist davon auszugehen, dass eine ganze Reihe von Marktteilnehmern binnen kurzer Zeit in den Bankrott schlittern.

Neben dem düsteren „physischen Markt“, also dem Markt für die Vermietung echter Schiffe, existiert noch ein „Papiermarkt“. Auf dem Papiermarkt werden Zukunftsverträge, sogenannte Forward Freight Agreements (FFA), gehandelt. In diesem Markt lassen sich die Markterwartungen in den kommenden Monaten (mau), Quartalen (mau) und Jahren (leichte Besserung) ablesen.

Aber auch diese Erwartungen sind von Ihren Höchstwerte Mitte 2008 abgestürzt. Viele Marktteilnehmer sind von dem rapiden Rückgang überrascht worden. Dem Vernehmen nach haben auch sehr viele Hedgefunds dort eine Menge Geld verloren. Viele der FFAs werden über eine Clearing-Stelle abgewickelt. Die fordert von den Kontrahenten Geldeinlagen, wenn der Wert des Kontraktes fällt. Dieses sogenannte „Margining“ läuft für den Oktober in dieser Woche. Erste Zahlungsunfähigkeiten dadurch nicht ausgeschlossen.

So sind die Auftragsbücher der Werften voll. Nicht nur das der Lindenau-Werft. Aber die georderten Schiffe will keiner mehr haben. Und die Frage ist, ob sie noch jemand bezahlen kann… (Update 01.12.2008: Die Kieler Nachrichten berichten, dass gegen die Lindenau-Werft nun ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde.)

Update 07.11.2008:

Es gibt Marktgerüchte, dass die Kursverluste der vergangenen zwei Tage auch von Hedgefonds ausgelöst wurde. Diese seien gezwungen durch Margin-Calls und Anteilsscheinrückgabe Aktienpositionen zu verkaufen. Ein Teil der Margin-Calls mag auch durch FFAs ausgelöst worden sein.

Update 20.11.2008:

Tanker werden inzwischen ebenso wenig benötigt wie Bulker. Aber für Tanker wurde inzwischen ein neuer Anwendungszweck gefunden: Sie werden als Öllagerstätten verwendet, denn Öl braucht zur Zeit auch kaum noch jemand.

 

Eine Antwort zu Implosion in der Schifffahrt

  1. […] macht die Schifffahrt? Anfang November berichteten wir von der Implosion der Seeschifffahrt. Seit dem haben sich die Charterraten für Schüttgutfrachter etwas erholt. Von ihren alten […]

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