Wie die Commerzbank die Welt sieht

Commerzbank-Volkswirte haben fünf Punkte ins Feld geworfen, warum die aktuelle Situation nicht zu einem zweiten 1929 ausarten wird.

1) Der Goldstandard wurde abgeschafft
Als Reaktion auf die Große Depression wurde der Goldstandard abgeschafft. Die Zentralbanken können nun, anders als damals, Deflation theoretisch durch das Drucken neuer Geldscheine vermeiden. 1929 war die Geldpolitik nicht so flexibel.

2) Regierung stützt die Banken
Damals haben sie Banken einfach Bankrott gehen lassen. Dies hat zu dem Bank-Run geführt, welcher noch mehr Banken in den Ruin trieb.

3) Fiskalpolitik steuert aktiv gegen
Damals haben die Politiker angesichts der Krise gespart, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Heute geben sie mehr Geld aus als jemals zuvor in so kurzer Zeit.

4) Automatische Stabilisatoren wirken im Hintergrund
Heute haben wir Sozialsysteme, die automatisch in Krisen die Staatsausgaben hochfahren. Insbesondere die Arbeitslosenversicherung und Sozialversicherung verhindern, dass die Inlandsnachfrage im gleichen Maße wie die Arbeitzplätze wegbrechen.

5) Regierungen kooperieren
1929 hat jeder nur seine eigene Suppe gekocht und z.B. Zölle angehoben. Das hat den Handel erschwert und die Krise verlängert.

Soweit die Commerzbank-Volkswirte. Zu den einzelnen Punkten habe ich noch folgende Anmerkungen:

zu 1) Es ist richtig, dass die Zentralbanken nun größere Flexibilität haben. Die Geldmenge so einzustellen, dass es keine Deflation und keine zu hohe Inflation gibt, gleicht aber einer Operation am offenen Herzen. Japan hat seine Deflation seit 15 Jahren nicht wirklich in den Griff bekommen. Zwar hatten sie in den letzten Jahren etwas Inflation, aber mit der Krise könnte die Deflation auch schon wieder zurück sein.

zu 2 ud 3) Ich finde das Vorgehen der Regierungen nicht gut. Zwar ist es richtig nicht in der Krise zu sparen, aber statt Milliarden zur Rettung offensichtlich nicht funktionierender Strukturen im Finanzsystem auszugeben, sollten sie das Geld lieber den Leuten zukommen lassen, die es am nötigsten haben. Also den Arbeitslosen. Davon werden wir in den kommenden Jahren wieder mehr haben und wir sollten noch das Geld haben, sie zu stützen.

zu 4) solange der Staat noch das Geld dazu hat. Wie schon im vorherigen Punkt gesagt, finde ich das Geld schlecht eingesetzt. Das die Vorstellung der Staat hätte unbegrenzt viel Geld ziemlich naiv ist, verdeutlicht folgender Graph.

Wie unschwer zu erkennen ist, hat der Preis für neue Staatsverschuldung schon exorbitant zugenommen. Die im Risikoaufschlag (Spread) eingepreiste Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts ist schon 0,36% pro Jahr in den nächsten zehn Jahren. Das ist ein Wert, der schon viel zu hoch ist. Deutschland kann sich nicht in diesem Stil weiter verschulden ohne in eine Abwärtsspirale zu geraten. Auch anderen Industrienationen geht es in dieser Beziehung nicht besser. Die USA liegt sogar bei 0,42% und das Vereinigte Königreich bei beängstigenden 0,635%.

zu 5) Da bin ich mir noch nicht sicher, dass wir das wirklich nicht wieder sehen werden. Obama hat schon ein paar kritische Sätze in Richtung Freihandel abgelassen. Ok, das war im Vorwahlkampf, wo die Demokraten traditionell sich ein bisschen linker geben, aber sicher können wir uns in diesem Punkt nicht sein.

Generell finde ich den Vergleich mit 1929 wichtig zum lernen. Aber auf keinen Fall sollte man jetzt nicht all das tun, was 1929 versäumt wurde. 2008 ist nicht 1929 und daher werden auch andere Antworten gefragt sein.

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One Response to Wie die Commerzbank die Welt sieht

  1. […] gehts nimmer. Anfang August warnten wir bereits, dass wir uns über Obamas Einstellung zum Freihandel nicht sicher sein können. Nun […]

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